Stephan Sailer

 

Wir stellen vor: Stephan Sailer

 
 
Herr Sailer, Sie sind seit 2016 in der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg als Pfarrer tätig. Wie hat Sie Ihr Weg hierher geführt?
 
Ich komme ursprünglich aus Singen am Hohentwiel, in der Nähe des Bodensee, im Süden der Erzdiözese direkt an der Schweizer Grenze. Bevor ich nach Weinheim kam, war ich für 9 Jahre als Pfarrer in Weil am Rhein in der Nähe von Basel tätig. Ein wichtiger Grund, warum ich nach Weinheim gekommen bin, war die Priester-Wohngemeinschaft oder vita communis im Pfarrhaus St. Laurentius, die es dort seit November 2002 gibt. Ihre Mitglieder gehören zur Priestergemeinschaft in der Fokolar-Bewegung.
 
Was können wir uns unter der Fokolar-Bewegung vorstellen?
 
Es ist eine ursprünglich katholische Bewegung, die im Jahr 1943 während des 2. Weltkrieges in der Stadt Trient in Italien von Chiara Lubich ins Leben gerufen wurde. Das Anliegen dieser Bewegung besteht u.a. darin, dass Menschen, egal ob Jugendliche oder Erwachsene, Gemeinschaften bilden unter dem Leitwort „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). In der Regel wohnen die katholischen Pfarrer alleine im Pfarrhaus und sind auf sich allein gestellt - so war es auch bei mir in Weil am Rhein. Als ich erfahren habe, dass vier meiner Mitbrüder Josef Kast, Karl Wunsch, Johannes Bold und Gerhard Schrimpf eine solche Fokolar-Wohngemeinschaft in Weinheim gebildet hatten, fühlte ich mich davon angesprochen. Ich kenne und schätze die Fokolar-Bewegung schon seit meiner Jugend, denn diese hat meinen geistlichen Werdegang positiv geprägt. Als ich im September 2013 in die Priesterwohngemeinschaft in Weinheim einzog, waren diese vier Mitbrüder noch vor Ort. In den ersten drei Jahren war ich in Mannheim als Klinikseelsorger tätig. Täglich pendelte ich von Weinheim nach Mannheim. Nach 3 Jahren, als Pfarrer Johannes Bold in den Ruhestand ging und Weinheim verließ, wurde ich gefragt, ob ich in der Seelsorgeeinheit Weinheim-Hirschberg als Pfarrer arbeiten möchte. So bin ich Pfarrer in dieser Seelsorgeeinheit geworden.
 
Eine Art „Wohngemeinschaft“ erstreben wir auch in dem Projekt Kirchenentwicklung 2030 und der neuen Pfarrei St. Marien – darin sind Sie ja schon bestens geübt. Wie erleben Sie den Prozess als Mitglied der Projektleitung?
 
Ich bin etwas später zu der Projektleitung als Nachfolger von Pfarrer Klaus Rapp hinzugewählt worden und habe in diesem Gremium ein motiviertes Team von engagierten Ehren- und Hauptamtlichen vorgefunden, das mit Begeisterung das Projekt Kirchenentwicklung 2030 begleitet und Impulse setzt.. Ich bin sehr beeindruckt, wie sich alle der anstehenden Aufgaben, z.B. der Gründungsvereinbarung, ganz konkret und mit einer positiven Grundeinstellung annehmen. Es ist für mich ermutigend, dass wir somit der allgemeinen Stimmung, die die Kirche auf dem Rückzug sieht, konkret entgegenwirken können. Denn in der Gemeinschaft der zusammenkommenden Seelsorgeeinheiten befindet sich viel neues Potential. Diese mögliche Bündelung von Energien haben wir bei dem Treffen in Schriesheim am 3. Februar 2024 erleben können, bei dem AG-Mitglieder aus allen Bereichen der Pfarrei Neu miteinander in einen regen Austausch gekommen sind und sich gegenseitig ermutigen und bestärken konnten.
 
Ermutigung brauchen wir auch, da in den nächsten zwei Jahren mit der Gründungsvereinbarung und der Ankunft des neuen leitenden Pfarrers einige Veränderungen auf uns zukommen. Welchen Ausblick auf die kommenden Monate können Sie aus Ihrer Perspektive mit uns teilen?
 
Ich sehe es tatsächlich als eine Art Wallfahrt, bei der wir uns gemeinsam auf den Weg machen. In den letzten Jahren waren wir schon im Namen der Kirchenentwicklung unterwegs und  wir sind nicht stehen geblieben oder rückwärts gegangen. So werden wir auch in den nächsten Jahren zusammen nach vorne gehen. Hier ist, wie bei jeder Pilgerreise, das Tempo von Bedeutung. Schritt für Schritt gehen wir  gemeinsam und achten darauf, dass alle mithalten können. Schon die Zusammenführung von eigenständigen  Pfarreien zu Seelsorgeeinheiten war vor 20 Jahren ein Prozess, der einiges an Flexibilität und Kreativität von den Gemeinden abverlangte, z.B. zwischen den Gemeinden von Weinheim und Hirschberg. Wir fangen also nicht bei Null an, sondern profitieren von der Erfahrung der vorangegangenen Jahre. Wir werden diesen Weg gut miteinander gehen und gestalten können, da bin ich sehr zuversichtlich.
 
 
(red. Maria Lipnicka 28.03.2024)