Wir stellen vor: Regina Kailich

Frau Kailich, Sie sind Mitglied der Projektleitung und zugleich die Leiterin der AG Gemeinschaft im lokalen Projekt der Kirchenentwicklung 2030. Wie ist es dazu gekommen?
Als der Prozess der Kirchenentwicklung 2030 ins Rollen kam, war mir klar, dass große Veränderungen auf uns zukommen werden, die wir als solche nicht abwenden, aber auf die wir zumindest gestaltend Einfluss nehmen können. Für mich war es ganz wichtig, die Chance zu nutzen, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten. Ich halte nichts davon, nur abwartend daneben zu stehen und sich hinterher zu beschweren, dass man dieses und jenes hätte anders oder besser machen können.
Wie sind Sie mit der Gemeinde vor Ort verbunden?
Ich bin in einem katholischen Elternhaus in Schriesheim aufgewachsen: mein Großvater war u.a. als langjähriger Pfarrgemeinderat in der Gemeinde aktiv; Pfarrer Albin Blümmel ist mein Onkel, mein Onkel Ewald Blümmel war viele Jahre lang Lektor, Kommunionhelfer und Pfarrgemeinderatsvorsitzender in Ladenburg und mein Vater war seit dem Jugendalter als Kirchenmusiker, davon über 40 Jahre als Organist und Choreiter in Mannheim, tätig. Das hat mich sehr geprägt. Ich selbst war auch schon von klein auf in meiner Heimatgemeinde aktiv und von Vaterseite her vor allem auch der Kirchenmusik eng verbunden. Direkt nach der Kommunion bin ich Ministrantin geworden. Das war damals noch etwas ganz Besonderes. Heißt: wir waren seinerzeit in Schriesheim die ersten Ministrantinnen überhaupt im gesamten Dekanat und – soweit ich mich erinnere – sogar im gesamten Bistum. Unser Pfarrer hat das unterstützt. Trotzdem war es keine leichte Zeit, weil unsere „Daseinsberechtigung“ immer wieder Thema heftiger Diskussionen war und Pfarrer, die von außerhalb zu Besuch kamen, oft negativ auf uns reagierten oder uns sogar ablehnten. Heute gehören Ministrantinnen zum gewohnten Bild. Das macht mich stolz und zeigt, dass und wie Veränderungen in der katholischen Kirche möglich sind.
Anfang der 90ger Jahre haben meine Mutter und ich uns dann kirchlich in Richtung Ladenburg orientiert. Von dort stammte auch meine Mutter. Wir haben in St. Johannes eine neue Heimat gefunden. 1997 bin ich dann auch nach Ladenburg gezogen. Später habe ich dann begonnen, mich auch in der Kirchengemeinde St. Gallus zu engagieren, erst für einige Zeit im Kirchenchor und dann im neu gegründeten Gemeindeteam. Heute bin ich Co-Sprecherin des Gemeindeteams, spiele bei Sabine Weil in der Gallusband, bin Mitglied der Familiengottesdienstvorbereitungsgruppe und organisiere mit zwei weiteren Mitstreiterinnen seit mehreren Jahren das Krippenspiel an Weihnachten. Ansonsten helfe ich überall da, wo es brennt.
Und zu diesen vielen Ehrenämtern kommt noch hinzu, dass Sie auch noch die Autorin des Präventionsschutzkonzepts der SE Ladenburg-Heddesheim sind?
Ja, ich habe wesentlich bei der Erstellung des Institutionellen Schutzkonzepts unserer Seelsorgeeinheit im Jahr 2018/2019 mitgewirkt und das Schutzkonzept 2023 grundlegend nach den Vorgaben des Bistums überarbeitet. Außerdem bin ich Sprecherin des Präventionsleitungsteams unserer Seelsorgeeinheit. Das Thema Prävention hat uns auch in der AG Gemeinschaft beschäftigt, da auch für die Pfarrei neu ein Schutzkonzept erarbeitet werden muss. Zum Glück wird man da aber das Rad nicht komplett neu erfinden müssen. Mit der Überarbeitung der Schutzkonzepte in den einzelnen Seelsorgeeinheiten im Jahr 2023 wurde schon eine gute Vorarbeit geleistet, auf die man im Zweifel aufbauen kann.
Mit dieser langjährigen und umfangreichen Erfahrung waren Sie wie prädestiniert, die AG Gemeinschaft zu leiten. Wie verläuft hier bislang die Arbeit?
Unsere AG ist eine großartige und hochgradig engagierte Truppe, die sich im Prozess sehr gut ausgetauscht und vernetzt hat. Eines unserer wichtigen Themen war die Ökumene, mit der wir uns intensiv beschäftigt haben. Hier gibt es derzeit schon viele lebendige Initiativen vor Ort, die unbedingt in die Pfarrei neu mitgenommen werden müssen. Wir haben uns in der AG Gemeinschaft auch mit dem Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit befasst und hier ein Klimaschutzpaket erarbeitet. Dieses sieht unter anderem vor, die unterschiedlichen Bereiche des Gemeindelebens auf Nachhaltigkeit zu prüfen und z.B. Einkaufsstrategien zu entwickeln, Gebäude energetisch zu sanieren etc. Ein weiteres Thema war die „Eine Welt“ und dabei z.B. logistische Fragen rund um die Eine Welt Läden vor Ort, deren Vernetzung, gemeinsame Aktionen etc. Ganz wichtig für uns ist auch das Thema Weltkirche und die Frage: wie schaffen wir es, über die „Zäune unseres Pfarrgartens“ hinauszukommen, d.h. Ideen zu entwickeln, auch außerhalb unserer Kirchenräume, z.B. in den politischen Gemeinden und Vereinen, präsent zu sein. Wie laden wir Menschen, denen Kirche fremd geworden ist, ein, an unserer Gemeinschaft teilzunehmen? Dabei geht es uns nicht darum, andere zu missionieren, sondern uns mit kommunalen Organisationen und Vereinen zu vernetzen, um gemeinsam Gemeinschaft zu leben und zu erleben.
Das klingt echt nach vielfältigen Veränderungen – diese soll ja auch die Kirchenentwicklung 2030 herbeirufen. Wie sehen Sie das Projekt nach einem Jahr?
Ich muss ehrlich zugeben: ich bin positiv überrascht! Die Menschen, die ich bislang in den Gremien und vor allem in meiner AG getroffen habe, waren mit so viel Begeisterung und Lust dabei, dass es neue Hoffnung in mir geweckt hat, dass das Ganze am Ende doch gut funktionieren kann. Wir konnten innerhalb von kürzester Zeit ein Netzwerk aufbauen, in dem fortlaufend Informationen z.B. über Gottesdienste oder Veranstaltungen ausgetauscht werden. Das ist genau das, was wir in der Pfarrei neu brauchen. Und es kommt in diesem Jahr noch ein sehr wichtiges Ereignis hinzu – die Wallfahrt der Ministranten und Ministrantinnen im Sommer nach Rom. Die Ministranten aller Seelsorgeeinheiten der Pfarrei neu haben beschlossen, diese Fahrt gemeinsam zu unternehmen und sich zu einer großen Pilgergruppe zusammenzuschließen. Schon jetzt besteht ein reger Austausch unter den Ministranten. Damit sind unsere Minis klare Vorreiter der Kirchenentwicklung und der Pfarrei neu und das lebendige Beispiel dafür, dass und wie Kirchenentwicklung 2030 funktionieren kann. An ihnen sollten wir uns alle ein Beispiel nehmen. Dann wird das schon!

