Wir stellen vor: Cecilia Atristain de Knapp - stellvertretende Pfarreiökonomin
Mit ihrer langjährigen Erfahrung aus Wirtschaft und Kirche wird Cecilia Atristain de Knapp das Kernteam als stellvertretende Pfarreiökonomin unterstützen. Wir haben die studierte Historikerin aus Schönau gefragt, wie es dazu kam und welche Wünsche sie für den Zusammenschluss der Seelsorgeeinheiten hat.
Frau Atristain de Knapp, Sie arbeiten seit 2023 in der Verrechnungsstelle für katholische Kirchengemeinden in Heidelberg. Welcher Weg hat Sie hierher geführt?

In meiner aktuellen Tätigkeit als Verwaltungsbeauftragte unterstütze ich die leitenden Pfarrer und die Stiftungsräte in den Kirchengemeinden Ladenburg-Heddesheim und den Bachgemeinden in allen zentralen Verwaltungsfragen, z.B. in Bezug auf Liegenschaften, Finanzen und Personalwesen. Davor habe ich rund 23 Jahre bei einem Beratungsunternehmen in Heidelberg gearbeitet, wo ich z.B. Unternehmens-, Markt- und Trendanalysen für internationale Unternehmen durchgeführt habe. Ursprünglich bin ich studierte Historikerin; ich habe in Bolivien in der Forschung und Lehre gearbeitet. Für mich steht deshalb schon immer im Vordergrund, den roten Faden von Ereignissen, Entwicklungen und Prozessen aufzudecken und nicht nur Daten und Fakten zu sammeln.
Wie kam es dazu, dass Sie nach Deutschland gekommen sind?
Ich war in Bolivien auf einer deutschen Schule und wollte nach meinem Studium eigentlich in den USA promovieren, wo auch meine väterliche Familie lebt. Doch der Liebe wegen bin ich stattdessen nach Deutschland gezogen.
Sie haben also vielfältige Berufserfahrung gesammelt. Wie kam es dazu, dass Sie nun stellvertretende Pfarreiökonomin in der neuen Kirchengemeinde werden?
Zum einen ist es natürlich die Summe meiner beruflichen Erfahrungen, aktuell in- und bis 2022 außerhalb der Kirche, zum anderen ist es mein langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Kirche, zum Beispiel im Kirchencafé oder im Pfarrgemeinderat für St. Hildegund im Steinachtal. Auch meine Mitarbeit im VEG-Gremium der künftigen Kirchengemeinde Nordbadische Bergstraße hat dazu beigetragen, dass ich mich weiterhin in den Prozess der Kirchenentwicklung einbringen möchte. Außerdem war es schon immer ein Thema für mich, dass ich einen Beitrag leisten möchte in der Gesellschaft, in der ich lebe. Das ist für mich ein besonders wichtiger Grund, für die Kirche zu arbeiten. Als ich dann die Stellenanzeige gesehen habe, dachte ich mir, dass es gut passt zu meinen bisherigen Arbeitsschwerpunkten mit vielen strategischen Themen und Handlungsempfehlungen.
Wie bewerten Sie den Zusammenschluss der Seelsorgeeinheiten, aus der Perspektive eines Gemeindemitglieds aus dem Steinachtal?
Wir liegen ja schon eher am Rand der neuen Kirchengemeinde und gehören nicht wirklich zur Bergstraße, sondern zum Odenwald. Außerdem ist St. Hildegund im Steinachtal die kleinste der fünf involvierten Kirchengemeinden. Zu Beginn war das Steinachtal daher eher vorsichtig, aber mit dem Fortschreiten des Projektes wurden auch Möglichkeiten sichtbar: Wir können uns beispielsweise mit anderen Christen in der Region vernetzen und voneinander lernen, gemeinsam stärker werden. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen den Gemeinden, aber die Gemeinsamkeiten überwiegen und wir passen dazu. Wir geben das vor Ort weiter und das Vertrauen wächst.
Im Steinachtal gibt es drei Gemeindeteams – in Wilhelmsfeld, Heiligkreuzsteinach und Schönau. Wie läuft die Zusammenarbeit dort ab?
Das Steinachtal hat sich 2015 auf diesen gemeinsamen Weg gemacht, was sehr gut gelungen ist, da wir trotz gewisser Heterogenität stets auf Augenhöhe, kollegial, offen und konstruktiv miteinander umgegangen sind. Deshalb finde ich auch die paritätische Arbeit in den Übergangsgremien der neuen Kirchengemeinde sehr wichtig, zum Beispiel im Beschließenden Ausschuss der Vollversammlung der Pfarrgemeinderäte. Dies zeigt, dass das Steinachtal zwar eine kleine Kirchengemeinde ist, aber nicht weniger wichtig als eine große Seelsorgeeinheit wie Weinheim-Hirschberg.
Welche Chancen sehen Sie in dem Hinblick für das Projekt Kirchenentwicklung 2030?
Da wo Herausforderungen sind, sehe ich gleichzeitig auch Chancen. Wir werden größer, aber das soll nicht ferner bedeuten. Kirche muss weiterhin nah und vertraut bleiben. Die Ressourcen werden knapper, aber das zeigt uns auch, wie wertvoll sie sind und dass wir bewusst damit umgehen sollten. Ein weiteres wichtiges Thema sind die Unterschiede, zum Beispiel in der Größe oder in der räumlichen Entfernung. Ich bin aber zuversichtlich, dass man mit der entsprechenden Kommunikation die Gemeinsamkeiten gut hervorheben kann. Außerdem ist es wichtig, dass wir lokale Prioritäten identifizieren und sie ernst nehmen. Natürlich wird man nicht alles so weiterführen können wie bisher, aber das ist jetzt eine Chance, im offenen Austausch gemeinsame Ziele zu setzen. Was soll vor Ort erhalten bleiben? Wo vernetzen wir uns oder holen uns Hilfe? Wie können wir das, was an Vitalität oder Aktualität verloren hat, neu gestalten? Wie erreichen wir die Menschen vor Ort? Das sind nur einige Fragen, die wir uns stellen sollten.
Der Zusammenschluss der Seelsorgeeinheiten ist auch ein sehr bürokratischer Vorgang. Wie können wir Ihrer Meinung nach sicherstellen, dass wir nicht nur in Strukturen und Prozessen denken?
Ich denke, dass jeder katholische Mensch einen Sendungsauftrag hat. Das heißt, so wie Jesus zu den Menschen gegangen ist, sie gesucht und angesprochen hat, sollten auch wir auf die Menschen zugehen. Es ist unser Auftrag, den Glauben auf unserem Lebensweg spürbar zu machen. Ich bin davon überzeugt, dass man das auch im Berufsalltag leben kann.
Wie leben Sie Ihren Glauben konkret im beruflichen Alltag?
Ich versuche, in meiner Tätigkeit offen, wertschätzend und konstruktiv mit den Menschen umzugehen, und nach christlichen Werten zu leben. Schon während meiner Zeit in der Unternehmensberatung habe ich das so gemacht. Man möchte selbst ja auch respektiert und angenommen werden, weshalb ich so auch anderen Menschen begegnen möchte.
Gibt es einen Bibelvers oder ein Zitat, das Sie uns auf den Weg mitgeben möchten?
Ich denke häufig an einen Satz von Mutter Teresa: „Wir können keine großen Dinge vollbringen – nur kleine, aber die mit großer Liebe." Wenn man die Aufgaben, wenn sie auch noch so klein sind, mit einer positiven Grundeinstellung und mit Hingabe angeht, dann tragen sie Früchte. Auch wenn wir nicht wissen, wo es hingeht, wie sich die Welt und unsere Kirche in der Zukunft entwickeln wird, können kleine Impulse den Weg erleuchten. Dazu passt das Zitat von Franz von Assisi: „Ein Sonnenstrahl reicht, um viel Dunkles zu erhellen.“

