Wir stellen vor: Sebastian Feuerstein

Sebastian Feuerstein ist Dekanatsjugendseelsorger und lokaler Projektkoordinator für die Kirchenentwicklung 2030 an der Nordbadischen Bergstraße. In diesem Interview blickt er auf die vergangenen Jahre zurück und spricht über Chancen und Herausforderungen dieses Veränderungsprozesses.

Herr Feuerstein, wie kam es dazu, dass Sie heute Jugendpfarrer sind? 

 
Meine Berufung rührt ganz stark daher, dass ich selbst als Jugendlicher eine gute Jugendarbeit erlebt habe. Ich war Ministrant in Tauberfranken, wo ich aufgewachsen bin, und war dadurch schon immer mit dem Erzbistum Freiburg verbunden. Nachdem ich zunächst Klassische Philologie und Germanistik auf Lehramt studiert hatte, habe ich umgeschwenkt auf Diplomtheologie und bin ins Priesterseminar in Freiburg eingetreten. Momentan bin ich auch Religionslehrer am Friedrich-Ebert-Gymnasium in Sandhausen. Durch meine Aufgaben in der Jugendseelsorge kannte ich auch schon Wolf-Dieter Wöffler, mit dem ich als Tandem das lokale Kirchenentwicklungs-Projekt leite. 
 

Schauen wir einmal auf die vergangenen Jahre zurück seit es die Kirchenentwicklung gibt. Was ist Ihrer meiner Meinung nach schon Gutes passiert? 

 
Ich bin immer begeistert, wenn es uns gelingt, Menschen zu motivieren, diesen Weg gemeinsam zu gehen. Wenn sie entdecken, wie hilfreich es sein kann, Dinge zusammen anzupacken, sei es gegenseitige Einladungen auszusprechen, sich kennenzulernen, einfach den Horizont zu erweitern und zu merken, was es alles bei uns gibt. Eines meiner Herzensanliegen ist es, Menschen zusammenzubringen, aber sie vor allem mit Gott zusammenzubringen und die Frage im Blick zu behalten: Wie gehen wir diesen scheinbar rein strukturellen Prozess auch als einen geistlichen Prozess?
 

Welche Herausforderungen sehen Sie in dieser Umstrukturierung?

 
Die Kirchenentwicklung ist ein Einschnitt, den es in der Geschichte unserer Diözese so noch nicht gegeben hat. Da entstehen ganz neue Rollenbilder, die sich erst entwickeln müssen. Hinzu kommt die Ungleichzeitigkeit des Projekts, das heißt: Was wird wie kommuniziert, und vor allem wann? Wie stellen wir sicher, dass sich die Leute in diesen Prozess mitgenommen fühlen und eingebunden wissen? Die Kirche soll weiterhin eine Heimat für die Menschen sein, wenn sie traurig sind, Freude haben, heiraten wollen oder jemanden zu Grabe tragen müssen. Es ist eine große Herausforderung, das gut zu kommunizieren und ins Bewusstsein zu bringen. 
 

Viele Gemeindemitglieder haben Respekt vor diesen Veränderungen. Was würden Sie ihnen als Priester sagen?

 
Ich halte es für wichtig, dass wir als Kirche und Christen die Leichtigkeit nicht verlieren und dass uns die Beschäftigung mit dem Strukturellen nicht hemmt, um dem zu begegnen, der der Eigentliche ist, der die Kirche voranbringt und dessen Kirche es auch ist: nämlich die Kirche Jesu Christi.
 

Was erhoffen Sie sich für dieses Jahr, in dem viel in der Kirchenentwicklung passieren wird?

 
Zunächst wünsche ich dem Leitungsteam alles Gute und Gottes Segen, wenn ab Herbst alle vor Ort sind und eine neue Arbeitsweise beginnen wird, was sicher spannend wird. Bis dahin ist es unsere Aufgabe in der Kirchenentwicklung, eine Brücke zu schlagen von dem, was war, hin zu dem, was sein wird. 
 

Wie sieht diese Brückenfunktion konkret aus?

 
Wir werden uns Gedanken darüber machen, wie wir das Neue der Pfarrei noch stärker in den Blick bekommen. Was will Gott von uns für diese Zeit des Übergangs? Wie begleiten wir die einzelnen Gruppierungen und die Menschen so, dass sie mit Mut und Glaubensfreue auf die neue Pfarrei schauen? Die Projektleitung wird sich hierzu Gedanken machen. 
 
Vielen Dank für das Interview und weiterhin Gottes Segen für die Kirchenentwicklung!