Carolin Stein aus Leutershausen engagiert sich im Team der lokalen Projektleitung für die Kirchenentwicklung 2030. Wir haben die Grundschullehrerin gefragt, was sie dazu motiviert und wie sie die Zukunft der katholischen Kirche in der Region sieht.
Carolin, du bist im Projektleitungsteam und der AG Verkündigung dabei, aber engagierst dich schon lange in der Kirchengemeinde in Leutershausen. Seit wann und wie bist du in der Pfarrei vor Ort aktiv?
Ich bin in Leutershausen getauft und zur Kommunion gegangen und dort einfach reingewachsen. Mein Opa war der „Schelle-Schorsch“, der bis in die 1960er Jahre im Ort die Nachrichten ausgerufen hat. Die Leute kennen mich also und ich bin auch immer mit meiner Familie in den Gottesdienst gegangen als meine Schwester dort Ministrantin war. Gemacht habe ich damals noch nichts in der Kirche, aber das hat sich geändert als die Gemeindereferentin Gabi Mihlan-Penk die erste Firmgruppe gestartet hat. Wir haben uns alle gut verstanden, sodass sie mich irgendwann gefragt hat, ob ich mit ihr den Kindergottesdienst machen will. Später habe ich auch bei der Firmvorbereitung mitgeholfen und war bei vielen Festen dabei, zum Beispiel bei St. Martin oder beim Gemeindefasching.
Das heißt, du bist fest verwurzelt in Leutershausen und hast schon viel miterlebt in der Pfarrei. Ist die Gemeinde heute immer noch so aktiv?
Ja, es gibt schon noch viele Angebote, aber es hat sich auch viel verändert, dadurch, dass der Pfarrgemeinderat zum Beispiel nicht mehr vor Ort ist und viele Leute aufgehört haben, mitzuarbeiten. Es gibt immer noch einige Feste, aber es kommen immer weniger Leute. Da merkt man schon, dass es auf Dauer nicht mehr so funktionieren kann wie bisher, da auch Personal weggefallen ist.
Ehrenamtliche Arbeit wird in der Zukunft immer wichtiger. Was motiviert dich zur Mitarbeit in deiner Kirchengemeinde?
Zum einen sind es die Personen, die mich angesprochen haben. Wenn ein Pfarrer mit Begeisterung dabei ist, dann macht es einfach Spaß, mitzumachen. Zum anderen ist es natürlich der Glaube und die Möglichkeit, im Kindergottesdienst und der Firmvorbereitung mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Schon damals konnte ich mir das als Beruf gut vorstellen und in der Kirche konnte ich dafür wertvolle Erfahrungen sammeln.
In deiner Freizeit hast du auch Handball gespielt. Inwiefern unterscheidet sich die Mitarbeit im Sportverein von der Mitarbeit in der Kirche?
Die Freunde im Verein haben sich schon manchmal gewundert, warum ich in der Kirche mitarbeite. Mir war es aber wichtig zu zeigen, dass es auch in der Kirche nicht immer nur ruhig und traditionell zugeht, sondern es auch Spaß macht, sich dort zu engagieren. Ich bin zwar ein Mensch, der eher laut ist und gerne viele Menschen um sich herum hat, aber ich brauche auch meine Ruheinseln. Die finde ich im Gottesdienst. Durch diese Gemeinschaft in Leutershausen war Kirche für mich ein absolut schönes Zuhause und ich habe mich dort wohl gefühlt.
Von der Kirchenentwicklung sind vor allem diese Gemeinschaften vor Ort stark betroffen. Wie siehst du deren Zukunft?
Ehrlich gesagt habe ich schon ein bisschen Angst davor, denn die Kirche lebt vom persönlichen Kontakt. Ich frage mich, wie wir die Menschen vor Ort abholen und ihnen zeigen können, was das Besondere an Kirche ist und warum sie zu uns kommen sollen, vor allem, wenn es nur noch wenige Pfarrer gibt. Da ist es wichtig, dass es gut funktionierende Einsatzpläne gibt, damit die Menschen vor Ort mit dem Pfarrer oder den Gemeindereferenten in Kontakt treten können und sich nicht verlassen fühlen.
Welche Chancen siehst du in der Kirchenentwicklung?
Als Lehrerin habe ich in der Schule schon viel Wandel miterlebt und weiß, dass alles seine positiven und negativen Seiten hat. Ich bin ein positiv denkender Mensch und versuche, die guten Dinge hervorzuheben, genauso wie jedes Kind ganz viele positive Seiten hat. Durch das größere Einzugsgebiet zum Beispiel sind es auf einmal wieder mehr Leute, die zusammenkommen. Ich glaube, es kann eine große Strahlkraft haben, wenn man nicht nur zu zweit oder zu dritt ist, sondern vielleicht 60 Menschen zusammenkommen. Dadurch lernt man auch neue Leute kennen. Wenn man sich die Geschichte der Kirche anschaut, gab es schon immer Hochs und Tiefs. Momentan sind wir in einem Abwärtstrend, aber mein Ziel ist es, einen Umkehrschwung zu finden.
Welchen Rat hast du für diejenigen, die Angst vor dieser Veränderung haben?
Eine ältere Dame hat mir kürzlich erzählt, dass bei der Umstellung auf die Seelsorgeeinheit auch viele gemault haben, aber es letztendlich doch geklappt hat. Das fand ich nett. Natürlich ist das Alte meistens bequem und schön, aber man muss den Tatsachen ins Auge sehen. Diejenigen, die sich an der Kirchenentwicklung beteiligen, sind auch nicht schuld daran, sondern sie wollen sich aktiv dafür einsetzen, dass Kirche wieder attraktiv wird und wachsen kann. Man kann entweder den Kopf in den Sand stecken oder die Chance nutzen.
Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin Gottes Segen für das Projekt Kirchenentwicklung 2030!