Alexandra Ernst wird Pfarreiökonomin in der künftigen katholischen Kirchengemeinde Nordbadische Bergstraße. Wir haben die Diplom-Verwaltungswirtin gefragt, wie es dazu kam und welche Chancen und Herausforderungen sie für die neue Pfarrei sieht.
Wir stellen vor: Pfarreiökonomin Alexandra Ernst

Frau Ernst, Sie arbeiten seit über 30 Jahren bei der Universität in Heidelberg. Wie kam es dazu, dass Sie nun Pfarreiökonomin in der Kirchengemeinde werden?
An der Universität war ich 19 Jahre in der Haushaltsabteilung, bevor ich ins Dezernat Recht und Gremien gewechselt bin. Aktuell bin ich als Geschäftsleitende Beamtin für Fragen der Organisation von Abläufen und Prozessen oder für die Schriftgutverwaltung zuständig. Ich war gar nicht auf der Suche, aber habe die Stellenausschreibung im Pfarrblatt gesehen und fand, dass es interessant klingt und zu den Bereichen passt, die ich schon mal gemacht habe. Haushalt war schon immer mein Steckenpferd.
Was haben Ihre Kollegen an der Universität gesagt, als sie hörten, dass Sie gehen werden?
Für viele war es ein Schock und es gab auch Tränen. Ich arbeite gerne bei der Universität und habe dort ein gutes Netzwerk. In den letzten Jahren habe ich mich auch um meinen Bruder und meine Eltern gekümmert, weshalb ein gewohntes und stabiles Arbeitsumfeld hilfreich war. Da sie verstorben sind, kann ich mich wieder auf etwas Neues konzentrieren.
Wo sehen Sie Herausforderungen beim Zusammenschluss der Gemeinden?
Schon die Veränderung zu den Seelsorgeeinheiten war schwierig, weshalb ich hoffe, dass sich die Menschen nicht enttäuscht von der Kirche abwenden, sondern sich mitgenommen fühlen und ihren Platz in der neuen Gemeinde finden. Ich hoffe, dass unsere Kindergärten weiterhin gut ausgestattet sind, weil die Kinder- und Jugendarbeit unsere Zukunft ist. Natürlich sollte man darüber nicht die ältere Generation vergessen, für die es schwer werden wird, wenn zum Beispiel Gottesdienste wegfallen. Da wünsche ich mir, dass wir offen sind für andere Gottesdienstformen, wenn nicht mehr genügend Ressourcen zur Verfügung stehen. Ganz ohne Abschiedsschmerz geht’s nicht, aber der Zusammenschluss kann auch eine Chance für etwas Neues sein.
Welche Chancen sehen Sie im Prozess der Kirchenentwicklung?
Kürzlich war ich bei einer Veranstaltung in Schriesheim, wo sich die Gruppierungen vorgestellt haben. Ich kannte dort niemanden, aber es war wirklich sehr nett und informativ. Es gibt dort zum Beispiel Kirchenspringer. Das ist ein Netzwerk von Leuten, die bei Aktionen wie Sternsingerbegleitung oder Getränkeausschank einspringen, ohne sich für etwas Bestimmtes verpflichten zu müssen. Meine Hoffnung ist, dass wir solche Ideen auch woanders übernehmen und ein Netzwerk aufbauen, das die ganze Gemeinde trägt. Dass wir das wertschätzen, was jemand einbringt, der vielleicht nicht jede Woche parat stehen kann. Denn ich kann nicht rausgehen und allen Leuten helfen, wenn ich mein eigenes Leben vernachlässige. Deswegen sage ich immer, ich muss mich selbst lieben, um auch andere lieben zu können.
Sie sind seit vielen Jahren in der Pfarrei St. Marien in Weinheim ehrenamtlich engagiert. Was genau haben Sie dort gemacht?
Als meine Tochter klein war, habe ich die Kindergruppe Zwergenland mitgegründet. Dort haben immer zwei Mütter abwechselnd ca. zehn Kinder betreut, die noch nicht im Kindergarten waren. Außerdem habe ich die Kindergruppe Marienkäfer geleitet, wo wir gebastelt und gespielt und diverse Kinderfeste organisiert haben. Das ist sehr gut angenommen worden. Über diese Gruppen bin ich zum Pfarrgemeinderat gekommen, wo ich von 2001 bis 2015 Mitglied war. Aktuell bin ich noch im Gemeindeteam und Schatzmeisterin im Förderverein St. Marien e.V. Dank des Vereins können wir zum Beispiel Spenden sammeln und Projekte finanziell unterstützen, die der Kirchengemeinde zugutekommen.
Was wünschen Sie sich für den Neustart als Pfarreiökonomin im Herbst?
Mir fällt hierzu das Zitat von Papst Franziskus ein: „Um wirklich zu leben, kann man nicht sitzen bleiben. Leben heißt immer: sich in Bewegung setzen, auf den Weg machen, träumen, planen, offen für die Zukunft sein.“ Das ist auch mein Motto. Ich starte jetzt etwas Neues und freue mich auf diese Aufgabe. Natürlich wird es auch fordernd werden, aber man sollte nicht den großen Berg sehen, sondern einzelne Hügel, über die man Schritt für Schritt geht. Und dabei sollte man den Humor nicht verlieren, denn dadurch wird vieles leichter.
Vielen Dank für das Gespräch und Gottes Segen für die Aufgabe als Pfarreiökonomin!


